Traditionelle Bleiverglasung

Im 13. Jahrhundert kam es zur ersten Hochblüte der Bleiverglasung in Europa, in Verbindung mit der Glasmalerei. Die Glaser und Glasmacher zogen teilweise sogar mit ihren Schmelzöfen in die Kirchen. Die Mund geblasenen Antikgläser werden heute noch wie vor Jahrhunderten hergestellt, darum bezeichnet man das Glas auch als Echtantik. Beim Goetheglas, auch ein Mund geblasenes Glas, liegt der Schwerpunkt darauf, ein möglichst blasen- und schlierenfreies, klares, durchsichtiges Fensterglas zu bekommen.
Zu der Herstellung einer Bleiverglasung mit Bildmotiven oder in abstrakter Form aus farbigem, getöntem oder klarem hellem Glas, benötigt man zunächst den Entwurf auf festem Karton (160 - 200 g). Die einzelnen Teile (die späteren Glasstücke) werden nummeriert und dann wird die Vorlage zweimal auf Transparentpapier durchgezeichnet. Die eine der so entstandenen Kopien wird zur Unterlage für die Schablonen und den Glaszuschnitt, die zweite als so genannter Bleiriss genutzt, darauf wird verbleit. Dann wird mit einer speziellen Schere, die den Bleikern mit ausschneidet, der Originalentwurf zu einzelnen Schablonen zerschnitten. Nach den einzelnen nummerierten Schablonen geschieht auf halbe Millimeter genau der Glaszuschnitt.

Kunst in Glas
  Bleiverglasung Werkstatt

Das zusammenfügen der Gläser geschieht mit H-Bleiprofilen, die in verschiedenen Breiten, von 2, 4, 6, 8, 10, 12, 16 und 20 mm, dem Motiv Ausdruck und Struktur, aber auch den typischen Kontrast einer Bleiverglasung geben. Zum Abschluss wird mit Zinn jeder Bund (die Verbindungspunkte der Bleistege) verlötet, das sehr labile Feld wird gedreht, der Glaser schaut zum ersten Mal hindurch und dann lötet man die zweite Seite. Bei Außenverglasungen oder sich bewegenden Bleifeldern z. B.
in Türen, muss vor dem Putzen noch mit flüssigem Leinölkitt verkittet werden.
Kommt die Glasmalerei mit zur Ausführung, werden nach dem Zuschnitt die entsprechenden Scheiben mit Schwarzlot bemalt und bei etwa 600° C eingebrannt.

Die Kunst liegt, neben der Umsetzung des Motivs, des Entwurfs, vor allem bei größeren Fenstern in der richtigen Auswahl und Komposition der farbigen Gläser zueinander, denn erst die Durchsicht nach Fertigstellung des zusammen gefügten Bleifeldes zeigt das Gesamtbild in seiner Farbharmonie. Mehr noch gibt es immer wieder große Überraschungen im eingebauten Zustand. Da spielen Hintergründe wie Gartenanlagen, Bäume, Fassaden und der Himmel mit den Farben einer Rolle. Nicht zuletzt ist auch das mit künstlichem Licht erleuchtete Fenster, was Tiffany sehr beschäftigte, von besonderem Eindruck.
Ein Buntglasfenster wird zu verschiedenen Jahres- und Tageszeiten, mit und ohne Sonne und bei unterschiedlicher Beleuchtung immer wieder anders aussehen, so dass ich sagen kann, dass die so hergestellten Verglasungen lebendig bleiben.

 

    
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